Wie Donald Trump mich zum Weinen brachte

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Ich erinnere mich noch an den Tag nach den Wahlen in Amerika, im November 2016. Das Radio weckte mich um 6Uhr morgens und obwohl die Nacht, wie so oft, zu kurz war, war ich sofort wach, als die Nachrichtensprecherin zu reden begann. Gespannt und voller Hoffnung hörte ich den Worten der Ansagerin zu. Dann drang die Information zu mir durch: Donald Trump war zum Präsidenten gewählt worden. An den Rest der Nachrichten kann ich mich nicht mehr erinnern.

 

Es fühlte sich tatsächlich an wie ein Schock. Etwas in mir war wie leer und verlassen und meine Gedanken kreisten immer wieder um dieselben Fragen: Wie konnten so viele Amerikaner und Amerikanerinnen (!) einen Mann wie Donald Trump wählen? Was war da schiefgelaufen?

 

Ich stand tatsächlich ein Stück weit neben mir. Natürlich ging ich trotzdem wie gewohnt zur Arbeit. Ich musste ins Büro und war dort mehrere Stunden allein, weil meine Kolleginnen zu Terminen unterwegs waren. Normalerweise genieße ich die Ruhe in solchen Zeiten und die Gelegenheit, alles etwas gemächlicher anzugehen. (Ok, liebe Kolleginnen, jetzt wisst ihr es…) Doch an diesem sehnte ich mich nach Gleichgesinnten um mich herum.

 

Gegen Mittag klingelte mein Handy. Eine Freundin war dran. Endlich eine Gelegenheit, mit jemanden über meine Gefühle zu sprechen! Ihr ging es genauso. Auch sie war geschockt über das Ergebnis und wollte sich mit anderen verbinden. Es tat gut, mit ihr zu sprechen. Nachmittags kamen die Kolleginnen und auch ihnen ging es ähnlich.

 

Dann endlich Feierabend. Ich fuhr nach Hause, setzte mich aufs Sofa und sah mir im Fernsehen die „Details“ an. Auf fast allen Sendern liefen Infos zu den Wahlen. Und dann sah ich sie:

 

Die Frauen, die auf den Straßen standen und weinten. Tränen liefen ihnen übers Gesicht und in ihrem Blick sah ich die gleiche Fassungslosigkeit und Traurigkeit, die auch ich spürte. In dem Moment fühlte ich mich so unglaublich verbunden mit ihnen! Die Traurigkeit darüber, dass die Welt zuließ, dass jemand wie Donald Trump gewählt wurde. Die Fassungslosigkeit, dass das Patriarchat noch immer so stark war! Das alles führte zu der Verbundenheit mit den Frauen, denen es genauso zu gehen schien, wie mir. Das Gefühl war so intensiv, dass auch ich zu weinen begann.

 

Insgesamt war es nicht nur die Tatsache des Wahlergebnisses. In dem Moment war mir ebenfalls bereits klar, was die Folge des Ergebnisses sein würde: Hater, Patriarchen, Rechtsradikale – sie alle würden sich nun nicht länger verstecken. Der Welt stand an einem weiteren Ort ein Kräftemessen bevor. Ich hatte einfach gehofft und gedacht, die Menschheit wäre weiter.

 

 

 

 

 

Natürlich, den Hoffnungsschimmer gibt es!

Hier ist er:

 

Kurz darauf geschah jedoch das, was solch ein Ergebnis ebenfalls provoziert. Frauen gingen auf die Straße! Menschen schlossen sich zusammen und protestierten für ihre Rechte! Sie begannen, sich gegenseitig zu unterstützen. Die schöne Ironie an dem Ausgang der Wahl ist, dass Menschen bewusst wurde immer mehr wird, dass es nur gemeinsam geht. Immer mehr Menschen stehen auf und sind dabei, die Welt mit Liebe und Gemeinschaft zu verändern!

 

Das ist es, was auch in mir passierte. Mir wurde viel bewusster, dass es wirklich allerhöchste Zeit ist, für das Wohlergehen aller Lebewesen aufzustehen und sich einzusetzen. Das Gefühl von Gemeinschaft, dass ich auf einigen Demos danach hatte, war neu. Mir schien, dass es vielen so ging.

 

Und damit möchte ich enden: Es ist viel hilfreicher für das eigene Wohlbefinden als auch das der Welt, wenn wir denjenigen, die Wut und Hass in die Welt bringen, mit Liebe und Verbundenheit entgegentreten. Lassen wir uns von deren Aggression anstecken, bringen wir weitere Aggression in die Welt. Wie wäre es, wenn wir stattdessen die Kraft unserer Wut nutzen, um sie umzuleiten in Aktivität? Aktivität zum Wohle aller Wesen.

 

Wie Du das hinbekommen kannst, sage ich Dir im nächsten Beitrag.

 

Ich wünsche Dir, dass Du den Ort in Dir wahrnehmen kannst, an dem Du mit allem was ist verbunden bist. Das ermöglicht es Dir, Dich selbst verbunden zu fühlen.

 

Lass es Dir gut gehen.