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Gerade im spirituellen Bereich wird immer wieder betont, wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben. Bei vielen Menschen löst das jedoch Stress aus, weil ihnen die Umsetzung schwerfällt und sich das Gefühl von Versagen einstellt, wenn die Selbstliebe ausbleibt. Daher kann diese Forderung an sich selbst auch schlicht und ergreifend unsinnig sein. Es gibt allerdings noch einen anderen Weg, sich selbst anzunehmen, ohne den hohen Anspruch der Selbstliebe erfüllen zu müssen.

 

 

Beim Thema ‚Selbstliebe‘ scheint es mir manchmal so, als bestünde die eigentliche Arbeit darin, sich nicht dafür zu verurteilen, dass es mit der Liebe für sich selbst nicht gelingt, statt darin, sich selbst zu lieben. Die Folge davon ist häufig, dass die „Arbeit“ statt in einem gleich in zwei Bereichen stattfindet:

Zum einen darin, sich selbst lieben zu wollen oder zu sollen. Zum anderen darin, weiterhin freundlich mit sich selbst umzugehen, obwohl es mit der Selbstliebe nicht gelingt. Nachdem ich diesen Prozess selbst lange mitgemacht habe, bin ich zu einigen Erkenntnissen gelangt, die ich hier mit Dir teilen möchte.

 

Viele Jahre habe ich versucht, mich selbst zu lieben und bin damit immer wieder grandios gescheitert. Häufig erlebte ich mich nach diesen „Phasen“ wütender als zuvor. Am Ende stand ich mit dem wenig hilfreichen Gedanken da: „Noch nicht mal das gelingt mir.“ Zusätzlich arbeitete in mir die häufig zu hörende Behauptung, dass wir nach Außen bringen, was wir in uns tragen. Das macht den Ballast der Verantwortung noch schwerer. Damit war ich nicht nur zuständig für den Mangel an Selbstliebe in mir, sondern zusätzlich an den Umständen in meiner Umgebung und der Welt. Na klasse. Freude schöner Götterfunke!

Was soll ich lieben?

Die Frage, die irgendwann aufkam, war: Was genau soll ich eigentlich lieben? Klar: Mich. Aber wer bin ich denn eigentlich? Ich erlebe mich manchmal wütend, ein anderes Mal liebevoll und weich, dann wieder kritisch und bewertend. Welches ICH soll ich oder darf ich lieben? Die Partnerin? Die Angestellte? Die Unterstützerin? Was ist mit der Kritikerin? Der Wütenden? Der Bockigen?

Die Antwort ist einfach und doch schwer zu finden: Es geht um die Liebe für all diese Anteile.

 

 

Ein „Ja“ für Dich

Die Lösung für mich fand ich in einer Meditation von Veit Lindau. Es war einer dieser Momente, in denen einen das Richtige zum richtigen Zeitpunkt erreicht. Weißt Du, was ich meine?

Ich war an dem Punkt, an dem ich viel meditiert hatte, viel über Selbstliebe nachgedacht und erfahren habe – und trotzdem nicht da war, wo ich hinwollte. Gleichzeitig war ich weiter auf der Suche und damit offen für Neues. Tatsächlich ist es noch gar nicht so lange her.

 

Liebe aus dem Sein heraus

In der Meditation (die ich für Dich unten eingefügt habe) geht Veit Lindau nicht auf die Ebene des Kopfes. Er geht einfach darunter (oder darüber hinaus), zu dem Teil in uns, der uns wirklich ausmacht. Zu dem, was ich auf diesen Seiten hier immer als unser wahres Sein bezeichne. Von diesem Ort aus betrachtet sind wir vollkommen. All das, was wir meinen zu sein (s.o.), ist nur die Oberfläche. Es sind nur Spielarten, mit denen wir uns in dieser Welt ausprobieren. Von der Ebene unseres wahren Seins aus betrachtet ist die Chance um ein Vielfaches größer, dass wir unsere verschiedenen Rollen als Spiel erkennen. Von dort aus gesehen gibt es sogar die Möglichkeit, über uns selbst zu lachen… Das war die Erkenntnis, die mich persönlich weitergebracht hatte. So macht es für mich Sinn.

 

Das Neue daran war für mich nicht, auf eine tiefere Ebene zu gehen oder zu erkennen, dass wir mehr sind als die verschiedenen Rollen, die wir täglich einnehmen. Es war vor allem das „JA“ zu mir selbst – mit ALLEM, was ich bin. Aus meiner Sicht ist das Selbstakzeptanz. In diesem Augenblick fiel der Anspruch der Selbstliebe weg. An seine Stelle trat die schöne Erfahrung, dass ich einfach all das sein darf, was ich bin. Dass ich Selbstliebe nicht „tun“ muss, sondern dass sie von allein geschieht, wenn ich JA zu mir sage. Das ist es, was ich an der Meditation so wunderbar finde: Ein „JA“ zu Dir selbst, von der Ebene Deines wahren Seins aus, zu allem, was Du bist.

 

Ich wünsche Dir, dass sich etwas in Dir für ein JA öffnet. Meinst Du, das gelingt? Was sagt Dein Herz dazu?